Handy-Sucht: Smartphone App warnt vor Abhängigkeit

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...

Smartphone
Für viele Menschen gehört das Smartphone zum Alltag, vor allem das mobile Surfen erfreut sich großer Beliebtheit. Die meisten sehen in diesen Geräten einen Gewinn an Lebensqualität, doch Bonner Wissenschaftler warnen: Sie weisen auf das Suchtrisiko hin. Mit einer App wollen sie dem entgegenwirken.

Die wachsende Gefahr der übermäßigen Handy-Nutzung

Ein Team aus Psychologen und Informatiker der Universität Bonn hat sich umfassend mit dem Nutzungsverhalten von Smartphone-Besitzern befasst. Ihr Augenmerk richtete sich auf die Frage, wie stark die Problematik der Handyabhängigkeit um sich greift. Beim Start des Projekts gingen sie davon aus, dass viele User eine mögliche Handy-Sucht nicht ernst nehmen. Die ersten Ergebnisse bestätigen diese These.

Dabei kann sie ähnlich wie die zu häufige und lange Internetnutzung am heimischen PC schwerwiegende Folgen haben. Betroffene kapseln sich zunehmend von der Außenwelt ab. Viele Kontakte pflegen sie allein über Facebook und Co., persönlichen Umgang vernachlässigen sie. Beim Handy kommt das Phänomen hinzu, dass Nutzer auch bei Treffen dem Umfeld zu wenig Aufmerksamkeit schenken.

Anstatt sich konzentriert zu unterhalten, greifen viele ständig zu ihrem Gerät und surfen online. In der Schule, an der Universität oder am Arbeitsplatz kann die Sucht außerdem dazu führen, dass User ihren Aufgaben nicht mehr zufriedenstellend nachkommen. Sie lassen sich zu häufig ablenken.

Kostenlose App soll sensibilisieren

Das Forscherteam aus Bonn will allen Interessierten nun mit einer Smartphone App namens „Menthal“ ermöglichen, ihr eigenen Nutzungsverhalten zu kontrollieren und zu hinterfragen. Viele erkennen ihre Handy-Sucht nicht, die App soll das ändern. Sie zeichnet auf, wie oft und wie lange Besitzer zu ihrem Smartphone greifen. Manche werden erstaunt feststellen, dass sich die Zeit auf mehrere Stunden am Tag summiert. Zudem hält die Smartphone App fest, welche Anwendungen User wie häufig verwenden.

Zugleich unterstützen die Teilnehmer die wissenschaftliche Forschung, das Programm übermittelt die Daten anonymisiert an die Forscher. Interessierte können die App kostenlos auf der eigens eingerichteten Homepage oder im Google Store downloaden. Das setzt aber das Betriebssystem Android in der Version 4.0 oder höher voraus.

Achtung aufgepasst!

Studie der App-Entwickler erschreckt

Eine im Rahmen dieses Projekts durchgeführte Studie bestätigt, dass das Thema Handyabhängigkeit an Brisanz gewinnt. Über sechs Wochen analysierten die Forscher mithilfe der „Menthal“-App das Kommunikationsverhalten von fünfzig Studierenden. Im Schnitt benutzen sie ihr Smartphone achtzig Mal am Tag.

Bei einem knappen Viertel der Teilnehmer addierte sich die tägliche Nutzungszeit auf über zwei Stunden. Mit diesen alarmierenden Zahlen wollen die Wissenschaftlicher dafür sorgen, dass die Handy-Sucht als mögliches Risiko mehr Resonanz in der Öffentlichkeit findet. Im Gegensatz zur Glücksspielsucht und anderem problematischen Suchtverhalten steckt auch die Forschung noch in den Kinderschuhen, da die Handyabhängigkeit noch nicht offiziell anerkannt wird. Entsprechend können Süchtige bisher kaum Hilfe erwarten.

Sucht nach dem Smartphone: Ein unterschätztes Problem

Vernachlässigung wichtiger Alltagsaufgaben und sozialer Kontakte: Laut den Bonner Wissenschaftler kann Smartphone-Sucht gravierende Folgen zeitigen, auch Entzugserscheinungen wie Unruhe stellen sie fest. Mit der Studie und der Smartphone App wollen sie ein breites gesellschaftliches Problembewusstsein schaffen. Die anonymisierten Daten der App dienen zugleich dazu, Suchtverhalten besser zu erforschen.

Video: Handysucht – Wenn das Smartphone in die Suchtklinik führt

Das könnte Sie auch interessieren: Phablets – Zwischen Smartphones und Tablet-PC

Bildquelle: Copyright Robert Kneschke – shutterstock.com

Delikate Artikel zum Weiterlesen:

Kommentieren via:

Loading Facebook Comments ...

Hinterlassen Sie ein Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*